Auktion 161

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Samstag, 24. Oktober 2026

Lose 1 - 1706

Los 152 Augustinus. In Iohannis evangelium …

In Iohannis evangelium tractatus 94-95 (zu Joh 16,5-11). 2 Doppelblätter (4 Seiten). Lateinische Handschrift auf Pergament. Späte karolingische Minuskel mit protogotischen Zügen, von einer Haupthand in brauner Tinte. Zwei Spalten. 41 Zeilen. Schriftraum: je ca. 38,5 x 23 cm. Blattgröße: 40,5 x 27,4 cm. - Wohl Südfrankreich, Katalonien, Österreich oder Italien um 1120-1160.

Mittelalter

Manuskripte und Urkunden – Vgl. zur ähnlichen Paläographie: Augustinus, Tractatus in Iohannis Evangelium (Fragment), New Haven, CT, Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 481.93. - Zur Paläographie: Die Schrift ist rund und breit, die Schäfte sind nur schwach gebrochen. Die Ober- und Unterlängen sind kurz und die Oberlängen leicht keulenförmig. Das a ist zweistöckig, und das d erscheint überwiegend unzial, also rund. Das lange s steht im Wortinneren und das runde s am Wortende. Charakteristisch sind die Ligaturen ct und st. Die Kürzungen sind dicht, aber üblich: ñ (non), q~ (quod, quae), ? (per, pro), spus, sps und scs (spiritus sanctus), dñs und xpc oder xpm (Christus), e (est) sowie Nasalstriche. Die Interpunktion besteht aus Punkt und punctus elevatus. Die Worttrennung ist uneinheitlich. Das Schriftbild entspricht der Übergangszeit zwischen karolingischer Minuskel und Textura, die im 12. Jh. in Italien und angrenzenden Regionen üblich war. Für die Datierung sprechen die geringe Schaftbrechung, die breite Schrift und die einfache Ausstattung. - Zum Inhalt: Der Text ist Augustinus, In Iohannis evangelium tractatus 94-95. Es ist die Auslegung von Joh 16,5-11, der Abschiedsrede Jesu über das Kommen des Parakleten (des Beistands, des Heiligen Geistes). Der erste Abschnitt behandelt den Satz, es sei gut für die Jünger, dass Jesus weggehe, weil der Paraklet sonst nicht komme. Augustinus deutet ihn so: Die Jünger könnten den Geist nicht fassen, solange sie Christus nur fleischlich liebten. Der Weggang Jesu ist demnach auch eine Läuterung ihrer Zuneigung. Der zweite Abschnitt behandelt arguet mundum de peccato et de iustitia et de iudicio (Joh 16,8). Augustinus erklärt die drei Begriffe: Sünde sei der Unglaube an Christus, Gerechtigkeit sei sein Gang zum Vater, und das Gericht sei die Verurteilung des Fürsten dieser Welt, also des Teufels. Er betont, dass der Geist die ganze Welt überführt und nicht nur das jüdische Volk, und verweist dazu auf Apg 1,7-8. Die Tractatus in Iohannis evangelium sind ein Zyklus von 124 Predigten und Auslegungen, den Augustinus von Hippo zwischen etwa 406 und 420 zum Johannesevangelium hielt und diktierte. Die Tractatus 94-95 gehören zur Auslegung der Abschiedsreden (Joh 13-17) im letzten Teil des Zyklus. Fol.3 mit Palimpsest und Resten zweier roter Initialen. - Etwas gebräunt und etwas fleckig, teils mit etweas Wurmfraß. Seltener und früher Beleg zu der Rezeption von Augustinus.

Manuscripts – Medieval manuscripts. Augustine. In Iohannis evangelium tractatus 94-95 (on John 16:5-11). 2 bifolia (4 pages). Latin manuscript on parchment. Late Caroline minuscule with proto-Gothic features, written by one main hand in brown ink. Two columns. 41 lines. Written area: each approx. 38.5 x 23 cm. Leaf size: 40.5 x 27.4 cm. Probably southern France, Catalonia, Austria or Italy, c. 1120-1160. - Cf. for similar palaeography: Augustine, Tractatus in Iohannis Evangelium (fragment), New Haven, CT, Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 481.93. - Palaeography: The script is round and broad, with only slightly broken shafts. The ascenders and descenders are short, and the ascenders are slightly clubbed. The a is two-storey, and the d appears mostly uncial, i.e. round. Long s is used within words and round s at the end of words. The ligatures ct and st are characteristic. The abbreviations are dense but standard: ñ (non), q~ (quod, quae), ? (per, pro), spus, sps and scs (spiritus sanctus), dñs and xpc or xpm (Christus), e (est) and nasal strokes. Punctuation consists of the punctus and the punctus elevatus. Word separation is irregular. The script corresponds to the transitional phase between Caroline minuscule and Textura that was current in Italy and neighbouring regions in the 12th century. The dating is supported by the slight breaking of the shafts, the broad script and the simple decoration. - Content: The text is Augustine, In Iohannis evangelium tractatus 94-95. It is the exposition of John 16:5-11, Jesus' farewell discourse on the coming of the Paraclete (the Advocate, the Holy Spirit). The first section deals with the statement that it is good for the disciples that Jesus goes away, since otherwise the Paraclete will not come. Augustine interprets it thus: the disciples could not grasp the Spirit as long as they loved Christ only in a carnal way. Jesus' departure is accordingly also a purification of their affection. The second section deals with arguet mundum de peccato et de iustitia et de iudicio (John 16:8). Augustine explains the three terms: sin is unbelief in Christ, righteousness is his going to the Father, and judgement is the condemnation of the prince of this world, that is, the devil. He stresses that the Spirit convicts the whole world and not only the Jewish people, and refers to Acts 1:7-8 in support. The Tractatus in Iohannis evangelium are a cycle of 124 sermons and expositions on the Gospel of John, which Augustine of Hippo delivered and dictated between about 406 and 420. Tractates 94-95 belong to the exposition of the farewell discourses (John 13-17) in the last part of the cycle. Fol. 3 with palimpsest and remnants of two red initials. - Slightly browned and somewhat stained, in part with some worm damage. A rare and early witness to the reception of Augustine.

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