Auktion 161

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Samstag, 24. Oktober 2026

Lose 1 - 1706

Los 669 Paul und Emil Sommé. Sommé, Emil und Paul. …

Sommé, Emil und Paul. Sammlung von Schmuckentwürfen der königlich preußischen Hofjuweliere Gebr. Sommé, Breslau, vom späten Biedermeier bis zum Historismus. Mit 194 (wenigen gefalteten) Zeichnungen in Tusche, Aquarell, Gouache und Blei, teilweise weiß und gold gehöht, auf Karton, Velin und Seidenpapier, teils auf schwarzem, dunkelrotem oder goldbraunem Grund. Breslau und Berlin, ca. 1839-1895. Formate ca. 6,5 x 4 cm bis 22,5 x 10 cm. Teilweise signiert, datiert und nummeriert, darunter "Emil. Sommé" oder "Paul Sommé" mit dem Vermerk "Berlin 1882". Ein Blatt trägt das Siegel des Goldschmiedeamtes Berlin. Zeitgenössischer roter Maroquinband mit Innenkantenvergoldung, Vorsätze aus Schleudermarmorpapier.

Kunstgewerbe - Schmuck

Kunstwissenschaften – Rainer Lemor, Rainer Sachs: Mondsichel und Sonne, Bd. 2: Die Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Breslau 1888-1945. Kassel 2011. - Hintze, Die Breslauer Goldschmiede, 1906. - Vgl. Christie's, Important Jewellery, Sale 7286, Lot 112 (Diadem im Etui der Gebr. Sommé Nachf.) - Äußerst seltene und umfangreiche Sammlung zeigt das Formenrepertoire der Hofjuweliere und einer der führenden Juwelierfirmen Schlesiens über fast fünf Jahrzehnte. Die sehr fein und detailreich ausgeführten Entwürfe beginnen bei naturalistischen Blütenbroschen, die teils en pampille in beweglichen Fransen enden. Es folgen Holbeinesque-Anhänger und Ohrhänger mit Emailmedaillons sowie Brillantcolliers und Rivièren. Den Höhepunkt bilden die Prunkdiademe: Sterndiademe mit sieben oder drei Sternen stehen neben Diademen mit Blütenrosetten oder einer zentralen Kartusche. Zur Garderobe der Zeit gehörten ebenso die neun Varianten von Aigretten, die Lyrabroschen und Nadeln, ein großes Feston-Brustornament als Devant de corsage sowie Monogramme, Schleifen und Bildnisbroschen mit Kameen oder Miniaturen. Einen eigenen Schwerpunkt bilden Himmelskörper. Halbmonde, Sonnen, Sterne und Kometen gehörten zu den bevorzugten Schmuckmotiven des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Beim Edelsteinbesatz dominiert der Diamant. Dargestellt sind vor allem Steine im Altschliff, die in den Zentren der Sterne und Rosetten als größere Solitäre hervortreten. Die Strahlen und Ranken sind mit kleinen Rosen und Diamanten im Einfachschliff ausgefüllt. In den Diademen kommen eckige Steine im Kissen- und Carréschliff sowie frei schwingende, tropfenförmige Pendeloquen hinzu. Die Rivièren bestehen aus der Größe nach abgestuften Altschliff-Brillanten in Einzelfassung, in einer Variante auch aus kleinen Rosetten von mehreren Steinen. Farbsteine setzen gezielte Akzente. So trägt ein Anhänger einen ovalen Saphir, wohl als Cabochon, in einem Brillantrahmen über einem Vogelpaar. Im Innenbogen der Halbmond-Aigretten sitzt eine Reihe kleiner Saphire, während Monogramme und eine Pfeilspitze mit exakt geschliffenen Rubinen oder Granaten (calibré) besetzt sind. Im Zentrum eines Neobarock-Anhängers steht ein Smaragd, wohl im Treppenschliff, und ein Ring trägt einen Kopf aus Türkisen in Form einer Vergissmeinnicht-Blüte. Am reichsten in der Farbigkeit sind die Holbeinesque-Anhänger: Ein ovaler roter Cabochon verbindet sich mit einem farblosen Tafelstein und Emaille in Blau, Rosa und Weiß, unten hängen Perlen als Pendeloquen. Perlen erscheinen außerdem in Halbmonden und Vierpassbroschen sowie als Abschluss von Fransen. Auch die Fasstechniken geben die Zeichnungen sehr genau wieder. Vorgesehen ist offenbar die damals übliche Montierung in Silber auf Gold. Die silberne Schauseite lässt die Diamanten weiß erscheinen, die goldene Rückseite macht das Stück stabil. Die großen Steine sitzen in Chaton- und Krappenfassungen, die eckigen Steine der Diademe in Kastenfassungen. Strahlen und Blätter sind im Pavé dicht ausgefasst. Viele Ränder sind fein gepunktet, was auf Millegriffes hinweist, also auf Kanten aus winzigen Metallkörnchen. Bemerkenswert ist, dass dieser Rand bereits vor dem Platinschmuck der Belle Époque erscheint. Viele Teile sind à jour gearbeitet, also offen und von hinten lichtdurchlässig. Die Steinreihen sind als Fadenfassungen gezeichnet. Bei einigen Blütenzweigen ist eine Montierung en tremblant auf Spiralfedern denkbar, bei der die Blüten beim Tragen zittern, auch wenn die Zeichnungen allein das nicht belegen. In den Neorenaissance-Anhängern und Monogrammen ist farbiges Email dargestellt, vermutlich Grubenschmelz (champlevé) und Email auf plastischer Oberfläche (en ronde bosse). Die Aigretten haben eine Halterung für Federn. Sterne und Bouquets waren zum Teil wohl abnehmbar und ließen sich wahlweise als Diadem, Haarschmuck oder Brosche tragen. Die Familie Sommé stammte aus Schweden. Samuel Jacob Somme, geboren 1768, war der Sohn eines schwedischen Generalinspektors. Mit einem Paar Ohrgehänge mit Rosetten als Meisterstück wurde er 1794 in Breslau Meister und Bürger. Das Handwerk führten seine Söhne fort. Christian Friedrich Wilhelm Robert, geboren 1805, erwarb 1839 das Bürgerrecht. Sein jüngerer Bruder Carl Wilhelm Friedrich Julius, geboren 1813, war zunächst Apotheker, bevor er Juwelier wurde. Er gehörte von 1849 bis 1873 der Innung an und starb 1888. Diese beiden waren die namengebenden "Gebrüder Sommé" (Hintze, 161). Die Laufzeit des Albums von 1839 bis ca. 1895 entspricht damit genau der Zeit von Roberts Bürgerrecht bis zu Julius' Tod. Roberts Sohn Emil wurde am 20. Februar 1835 geboren. Er gehörte von 1859 bis 1893 der Innung an und starb am 24. Juni 1894. Schon 1872 unterzeichnete er öffentlich als "Hofjuwelier in Breslau". 1875 führen ihn die Hofprädikatsakten als "Kaufmann & Juwelier" der Firma. In denselben Akten erscheint 1894 Paul Sommé. Ab 1913 führte Max Grothe das Geschäft als "Gebr. Sommé Nachfolger" weiter . Noch 1935 bestand die Firma unter Kurt Schimbke als Hofjuwelier am Breslauer Rathaus 13. Die Firma war Hoflieferant des preußischen Königshofs und arbeitete auch für den schlesischen Hochadel. 1892 schuf Emil Sommé die silberbeschlagene Prunkfassung mit Monogramm für die Ehrenadresse an Hans Heinrich XV. von Hochberg, Fürst von Pless, und Fürstin Daisy. Sie wurde dem Paar bei seinem Einzug in Schloss Fürstenstein überreicht und befindet sich heute als Leihgabe des Nationalmuseums Breslau in Schloss Ksiaz. Für die Grafen von Saurma-Jeltsch entstand um 1890-1900 Wappensilber mit Sommé-Marke (Leo Spik, Auktion 698, Los 750). Einige Blätter haben sich vom Einband gelöst. Insgesamt wohlerhalten.

Science of Art – Decorative Arts - Jewellery - Paul and Emil Sommé. Sommé, Emil and Paul. Collection of jewellery designs by the Royal Prussian court jewellers Gebr. Sommé, Breslau, from the late Biedermeier period to Historicism. With 194 drawings (a few folded) in ink, watercolour, gouache and pencil, partly heightened with white and gold, on card, vellum paper and tissue paper, some on black, dark red or golden-brown ground. Breslau and Berlin, ca. 1839-1895. Formats approx. 6.5 x 4 cm to 22.5 x 10 cm. Partly signed, dated and numbered, including "Emil. Sommé" or "Paul Sommé" with the note "Berlin 1882". One sheet bears the seal of the Berlin Goldsmiths' Office. Contemporary red morocco binding with gilt inner dentelles, marbled-paper endpapers. An extremely rare and extensive collection showing the repertoire of forms of the court jewellers, one of Silesia's leading jewellery firms, over almost five decades. The very fine and detailed designs begin with naturalistic floral brooches, some ending en pampille in movable fringes. These are followed by Holbeinesque pendants and drop earrings with enamel medallions, as well as diamond necklaces and rivières. The highlights are the splendid diadems: star diadems with seven or three stars stand alongside diadems with floral rosettes or a central cartouche. The wardrobe of the period also included nine variants of aigrettes, lyre brooches and pins, a large festoon breast ornament as a devant de corsage, as well as monograms, bows and portrait brooches with cameos or miniatures. Celestial bodies form a focus of their own. Crescents, suns, stars and comets were among the preferred jewellery motifs of the late 19th century. Diamonds dominate the gemstone settings. Shown above all are old-cut stones, which stand out as larger solitaires in the centres of the stars and rosettes. The rays and tendrils are filled with small rose-cut and single-cut diamonds. In the diadems, square stones in cushion and carré cuts appear, along with freely swinging, drop-shaped pendeloques. The rivières consist of old-cut brilliants graduated in size in individual settings, in one variant also of small rosettes made up of several stones. Coloured stones provide targeted accents. One pendant, for example, carries an oval sapphire, probably a cabochon, in a brilliant-cut surround above a pair of birds. In the inner curve of the crescent aigrettes sits a row of small sapphires, while monograms and an arrowhead are set with precisely cut rubies or garnets (calibré). At the centre of a Neo-Baroque pendant is an emerald, probably step-cut, and a ring bears a head of turquoises in the form of a forget-me-not blossom. The Holbeinesque pendants are the richest in colour: an oval red cabochon is combined with a colourless table-cut stone and enamel in blue, pink and white, with pearls hanging below as pendeloques. Pearls also appear in crescents and quatrefoil brooches, and as terminals of fringes. The drawings also render the setting techniques very precisely. The mounting customary at the time, silver on gold, is evidently intended. The silver face makes the diamonds appear white, while the gold back makes the piece stable. The large stones sit in chaton and claw settings, the angular stones of the diadems in box settings. Rays and leaves are densely pavé-set. Many edges are finely dotted, which suggests millegrains, i.e. edges made of tiny metal beads. Remarkably, this edging appears already before the platinum jewellery of the Belle Époque. Many pieces are worked à jour, i.e. open and translucent from behind. The rows of stones are drawn as thread settings. For some floral sprays, an en tremblant mounting on spiral springs is conceivable, in which the blossoms tremble when worn, although the drawings alone do not prove this. Coloured enamel is depicted in the Neo-Renaissance pendants and monograms, presumably champlevé and enamel on a sculpted surface (en ronde bosse). The aigrettes have a holder for feathers. Stars and bouquets were in part probably detachable and could be worn as desired as a diadem, hair ornament or brooch. The Sommé family originated from Sweden. Samuel Jacob Somme, born 1768, was the son of a Swedish inspector general. With a pair of rosette earrings as his masterpiece, he became a master and citizen in Breslau in 1794. The craft was continued by his sons. Christian Friedrich Wilhelm Robert, born 1805, acquired citizenship in 1839. His younger brother Carl Wilhelm Friedrich Julius, born 1813, was initially a pharmacist before becoming a jeweller. He belonged to the guild from 1849 to 1873 and died in 1888. These two were the eponymous "Gebrüder Sommé" (Hintze, 161). The album's span from 1839 to ca. 1895 thus corresponds exactly to the period from Robert's citizenship to Julius's death. Robert's son Emil was born on 20 February 1835. He belonged to the guild from 1859 to 1893 and died on 24 June 1894. As early as 1872 he signed publicly as "Hofjuwelier in Breslau" (court jeweller). In 1875 the court-predicate files list him as "Kaufmann & Juwelier" (merchant and jeweller) of the firm. In the same files, Paul Sommé appears in 1894. From 1913, Max Grothe continued the business as "Gebr. Sommé Nachfolger". As late as 1935 the firm still existed under Kurt Schimbke as court jeweller at Breslau Rathaus 13. The firm was purveyor to the Prussian royal court and also worked for the Silesian high nobility. In 1892 Emil Sommé created the silver-mounted ceremonial casing with monogram for the address of honour to Hans Heinrich XV von Hochberg, Prince of Pless, and Princess Daisy. It was presented to the couple on their entry into Fürstenstein Castle and is today on loan from the National Museum in Wroclaw at Ksiaz Castle. For the Counts of Saurma-Jeltsch, armorial silver bearing the Sommé mark was made around 1890-1900 (Leo Spik, Auction 698, Lot 750). Some leaves have come loose from the binding. Overall well preserved.

Limitpreis: 2400 €
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