Online Katalog mit allen Losen / Auktion 161
Wertvolle Bücher, Graphik, Historische Photographie
Samstag, 24. Oktober 2026
Lose 1 - 1706
Los 1439 Photographie eines Gelynchten …
Photographie eines Gelynchten während der Ungarischen Revolution von 1956. Budapest, 1956. Format 24 x 18 cm.
Ungarn Revolution 1956
Photographie - Photographen – Die Aufnahme entstand im Zusammenhang mit der Belagerung des Budapester Parteigebäudes am Köztársaság tér (heute Platz Johannes Pauls II.) am 30. Oktober 1956. Sie gehört zu den herausragenden Ereignissen des Aufstands. Die Aufständischen belagerten den Sitz des Budapester Parteikomitees der Ungarischen Partei der Werktätigen (MDP), nachdem sich das Gerücht verbreitet hatte, die Verteidiger, darunter Einheiten der Staatssicherheit (ÁVH), hielten Gefangene fest. Nach Einschätzung des Soziologen Gyula Kozák waren die Motive vor allem das Blutbad vor dem Parlamentsgebäude am 25. Oktober. Hinzu kamen der reale und symbolische Sturz der alten Machthaber, die Beschaffung der Waffen der Wachmannschaft und die Suche nach den Wachen und Gefängniswärtern, die das Parteigebäude schützten. Zur Entlastung entsandte Panzer feuerten irrtümlich ebenfalls auf das Gebäude. Danach ergaben sich die Verteidiger nach stundenlangem Kampf. Im Anschluss wurden mehrere Verteidiger vor dem Gebäude Opfer von Selbstjustiz. Zwei Leichen wurden von der Menge kopfüber an Bäumen des Platzes aufgehängt und geschändet. Ausländische Korrespondenten hielten dies fotografisch und filmisch fest. Das Lynchgeschehen gilt als dunkelstes Kapitel der Revolution, als Makel, der deren bis dahin makelloses Bild trübte. Dies geht wesentlich auf die spätere Propaganda des Kádár-Regimes zurück, die fast nur dieses eine Ereignis oder eine umgeschriebene Version davon herausstellte. Besonders ein Foto, das einen Tritt gegen den kopfüber hängenden Toten zeigt, wurde propagandistisch genutzt, sogar in Schulbüchern. Es erweckte den Eindruck, ein Lebender werde zu Tode gequält. Das angebotene Los ist daher ein zeithistorisches Dokument von hoher Brisanz, das den Umgang mit den Bildern von 1956 in Ost und West widerspiegelt.
Photography – Hungarian Revolution 1956 - Photograph of a lynching victim during the Hungarian Revolution of 1956. Budapest, 1956. - The photograph was taken in connection with the siege of the Budapest party headquarters on Köztársaság tér (today Pope John Paul II Square) on 30 October 1956, one of the outstanding events of the uprising. The insurgents besieged the seat of the Budapest Committee of the Hungarian Working People's Party (MDP) after a rumor spread that the defenders, including units of the State Security Authority (ÁVH), were holding prisoners. According to the sociologist Gyula Kozák, the motives were primarily the bloodbath in front of the Parliament building on 25 October. In addition, there was the real and symbolic overthrow of the old rulers, the seizure of the guards' weapons, and the search for the guards and prison warders protecting the party building. Tanks dispatched to relieve the building mistakenly fired on it as well. After hours of fighting, the defenders surrendered. Afterwards, several defenders fell victim to lynching in front of the building. Two bodies were hung upside down from trees on the square by the crowd and desecrated. Foreign correspondents recorded the scene in photographs and on film. The lynching is regarded as the darkest chapter of the revolution, a stain that tarnished its hitherto unblemished image. This is largely due to the later propaganda of the Kádár regime, which almost exclusively emphasized this one event, or a rewritten version of it. One photograph in particular, showing a kick against the body hanging upside down, was used for propaganda purposes, even in school textbooks. It gave the impression that a living person was being tortured to death. The lot offered is therefore a historical document of great sensitivity, reflecting how the images of 1956 were treated in East and West.
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