Auktion 160

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Moderne und Zeitgenössische Kunst

Samstag, 11. Juli 2026, 11:00 Uhr

Los 226 Théobald Dupeyron. (Promenade au bord de mer). …

(Promenade au bord de mer). Um ca. 1895-1898. Aquarell und Gouache. 30,5 x 45 cm. Signiert. Unter Passepartout gerahmt.

Jahrhundertwende – Catalogue officiel de la 5e Exposition Internationale 1892, 60. Théodore Dupeyrons Fächerentwurf anhand der modisch präzise verortbaren manches gigot der dargestellten Spaziergängerin - führt das akademische Doppelerbe Bouguereaus und Tony Robert-Fleurys in einem einzigen, formal souveränen Bildgefüge zusammen. Die Figur der jungen Frau, nahezu im Goldenen Schnitt der Halbkreiskomposition platziert und mit einer entrückten, ins Unbestimmte schweifenden Blickrichtung ausgestattet, folgt in ihrer Modellierung der Bouguereau'schen modelé doux: Das Inkarnat ist porzellanartig geglättet, die Gewandfalten sind mit feiner linearer Präzision aufgebaut, die Gesamterscheinung zeitlos und von bürgerlicher Eleganz geprägt. Der Hintergrund hingegen - eine mosaikartig aufgelöste Küstenlandschaft aus Mintgrün, Strohgelb und Zartrosa, in der Baumsilhouetten, Meeresstück und Blüten zu einer atmosphärischen Einheit verschmelzen - verrät die Schulung im Geist Robert-Fleurys und eine produktive Rezeption des impressionistischen touche brisée, ohne dessen koloristische Radikalität zu vollziehen. Die chromatische Gesamtstimmung ist nicht malerische Willkür, sondern kalkulierte dekorative Intelligenz: Das helle, luftige Akkord aus Lavendel, Pastellgrün und Cremeweiß ist auf die Trägerin und ihren Körperkontext hin konzipiert, der Fächer also als Ensemble-Objekt gedacht, das ergänzt statt konkurriert. Die Fächerform selbst wird kompositorisch nicht neutralisiert, sondern aktiviert: Die Bandstruktur aus Figur, Vegetation und Küstenpanorama folgt dem natürlichen Bogenschwung des Segments und macht die Formatbedingung zum Rhythmus des Bildes. Der Entwurf steht damit exemplarisch für jenen kurzen Gleichgewichtsmoment der Belle Époque - um 1895 -, in dem akademische Formstrenge und naturalistisch-impressionistische Sensibilität noch keine antagonistischen Pole bildeten, sondern in der Hand eines versierten Künstlers zu einer eleganten, funktional präzisen Synthese finden konnten.

Fin de Siecle – Fin de Siecle. - Watercolour and gouache. 30.5 x 45 cm. Signed. Framed under passepartout. Théodore Dupeyron's fan design - datable with sartorial precision to the years of the manches gigot's high fashion - unites the academic dual inheritance of Bouguereau and Tony Robert-Fleury within a single, formally sovereign pictorial structure. The figure of the young woman, positioned at nearly the golden section of the semicircular composition and endowed with an absent, indeterminately drifting gaze, adheres in its modelling to Bouguereau's modelé doux: the flesh is rendered with porcelain-like smoothness, the drapery folds are constructed with fine linear precision, and the overall appearance is timeless, suffused with bourgeois elegance. The background, by contrast - a mosaically dissolved coastal landscape of mint green, straw yellow and pale rose, in which tree silhouettes, a glimpse of sea and scattered blossoms merge into an atmospheric unity - betrays a training in the spirit of Robert-Fleury and a productive reception of the Impressionist touche brisée, without however consummating its coloristic radicalism. The chromatic tenor of the whole is not painterly caprice but calculated decorative intelligence: the bright, airy chord of lavender, pastel green and off-white is conceived in relation to the wearer and her bodily context, the fan thus envisioned as an ensemble object that complements rather than competes. The fan format itself is not neutralised compositionally but activated: the band structure of figure, vegetation and coastal panorama follows the natural arc of the segment, making the condition of the format the very rhythm of the image. The design stands as an exemplary document of that brief moment of equilibrium in the Belle Époque - around 1895 - when academic formal rigour and naturalist-impressionist sensibility had not yet become antagonistic poles, but could find, in the hand of a accomplished artist, an elegant and functionally precise synthesis.

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