Online Katalog mit allen Losen / Auktion 159
Aus Adelsnachlässen und bürgerlichem Besitz. Wertvolle Bücher, Graphik und Klassische Kunst
Samstag, 25. April 2026, 10:00 Uhr
Los 594 Francisco de Goya. Los desastres de la guerra. …
Los desastres de la guerra. Mit 80 Radierungen mit Aquatina und Lavismanier in Schwarz und Schwarzbraun auf chamoisfarbenem Bütten. Madrid, Real Academia di Bellas Artes de San Fernando 1923. 2 Bll., 80 Bll. Quer.-Folio. - Hlwd. mit Marmorpapier.
Moderne Literatur und Kunst – Delteil 120-199, Harris 121-200 III, 5. Ausgabe (von 7). Wz. Joseph Guarro mit einer Burg. - Die Radierungen je ca. 17,5 x 21 cm (Plattenrand). ca. 24,5 x 33,5 cm (Blattgröße). Los desastres de la guerra (Madrid, 1923) ist die fünfte Edition von Francisco de Goyas (1746-1828) monumentale und prachtvolle Radierungsfolge, die zwischen 1810 und 1820 entstand und die Schrecken des Spanischen Unabhängigkeitskriegs (1808-1814) gegen Napoleon dokumentiert. Diese Auflage wurde von der Calcografía Nacional in Madrid in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren gedruckt. Goya schuf die 82 Radierungen (80 veröffentlicht + 2 unveröffentlichte) als Augenzeuge in Madrid und Saragossa. Goyas explosivste und gründlichste Graphikfolge entstand 1810-1814 im Spanischen Unabhängigkeitskrieg und war für eine rasche Publikation gedacht. Aufgrund Ferdinand VIIs repressiver Politik und der Verfolgung Liberaler verzichtete Goya darauf, fügte stattdessen scharfe Satiren gegen Politik und Kirche hinzu - mit nur einem zarten Hoffnungsschimmer am Schluss. Politische Zensur verhinderte eine Publikation zu seinen Lebzeiten - nur zwei Probeexemplare existieren (eines für Freund Ceán Bermúdez). Die Kupferplatten lagerte Sohn Javier bis 1854. Im Jahre 1862 erwarb die Real Academia de San Fernando sie und druckte 1863 die Erstausgabe (500 Expl.) Der fünfte Zustand (von 7) ist mit Aquatinta überarbeitet, die Ränder poliert, Nummerierung 1-80 oben links Die Folge strukturiert sich in Krieg (Tafel 1-47, Schlachten, Exekutionen etc.), Hungersnot (Tafel 48-64, Madrid 1811/12, Sterbende) und Allegorien (Tafel 65-80, Unterdrückung, Krankheit, Zensur). Goya revolutionierte die Radierung: Reine Linienätzung + Aquatinta (für Töne), teils Aquarell-Elemente. Dramatische Kontraste, universelle Grausamkeit ohne Heroismus - Vorläufer moderner Kriegsberichterstattung. Blätter wie "Grande hazaña! Con muertos!" oder "Por una navaja" wirken journalistisch roh. "Los desastres" gilt als Goyas politisches Meisterwerk und Anti-Kriegs-Manifest avant la lettre. Die Ausgabe von 1923 nach dem 1. Weltkrieg verstärkte seine universelle Wirkung. - Die Druckzustände des fünften Zustandes stellen sich wie folgt dar: Die Konturen verschwimmen stärker und die Übergänge weicher. Das Resultat ist eine weniger aggressiv-graphisch, mehr malerisch-atmosphärischer samthafter Plattenton. Die Abdrücke haben weniger Tiefe was die Flächenwirkung verstärkt, so dass die Figuren "nach vorn" treten, Hintergründe lösen sich auf. - Die Radierungen professionell aufgefalzt. Insgesamt ein hervorragend gereinigtes Exemplar mit breitem Rand, die Titelseite mit zwei Knickspuren. Insgesamt wohlerhaltene Ausgabe dieses eindrucksvollen graphischen Meisterwerks.
Modern Literature and Art – With 80 etchings using aquatint and wash techniques in black and black-brown on chamois-colored handmade paper. - Los desastres de la guerra (Madrid, 1923) is the fifth edition of Francisco de Goya's (1746-1828) monumental and splendid etching series, which was created between 1810 and 1820 and documents the horrors of the Spanish War of Independence (1808-1814) against Napoleon. This edition was printed by the Calcografía Nacional in Madrid in a limited edition of 100 copies. Goya created the 82 etchings (80 published + 2 unpublished) as an eyewitness in Madrid and Saragossa. Goya's most explosive and most thorough graphic series arose 1810-1814 in the Spanish War of Independence and was intended for a swift publication. Due to Ferdinand VII's repressive policy and the persecution of liberals, Goya refrained from it, instead adding sharp satires against politics and church - with only a delicate glimmer of hope at the end. Political censorship prevented a publication during his lifetime - only two proof copies exist (one for friend Ceán Bermúdez). Son Javier stored the copper plates until 1854. In the year 1862 the Real Academia de San Fernando acquired them and printed 1863 the first edition (500 copies). The fifth state (of 7) is reworked with aquatinta, the margins polished, numbering 1-80 top left. The series is structured into War (Plate 1-47, battles, executions etc.), Famine (Plate 48-64, Madrid 1811/12, dying people) and Allegories (Plate 65-80, oppression, disease, censorship). Goya revolutionized etching: Pure line etching + Aquatinta (for tones), partly watercolor elements. Dramatic contrasts, universal cruelty without heroism - precursor of modern war reporting. Plates like "Grande hazaña! Con muertos!" or "Por una navaja" appear journalistically raw. "Los desastres" is considered Goya's political masterpiece and anti-war manifesto avant la lettre. The edition of 1923 after the 1st World War intensified its universal effect. - The print states of the fifth state present themselves as follows: The contours blur more strongly and the transitions softer. The result is a less aggressively graphic, more painterly-atmospheric velvety plate tone. The impressions have less depth which enhances the planar effect, so that the figures "step forward", backgrounds dissolve. - The etchings professionally rehoused. Overall an excellently cleaned copy with wide margins, the title page with two crease marks. Overall well-preserved edition of this impressive graphic masterpiece.
Limitpreis: 7000 €
Schätzpreis: 9000 €
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