Online Katalog mit allen Losen / Auktion 159
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Samstag, 25. April 2026, 10:00 Uhr
Los 170 Expositio Symboli …
Expositio Symboli Apostolorum. Fragmente einer spätmittelalterlichen Handschrift. 18 Blätter. (Halbseitige Fragmente). Mit zahlreichen dekorativen Lombarden, Strichelungen und Gliederungszeichen in Rot, sowie einigen Marginalien in Schwarz. 22-24 Zeilen. Zwei Spalten. Lateinische Handschrift auf Papier. Gotische Bastarda (Hybrida). Schriftraum je ca. 14,5 x 12,5 cm. (21,6 x 16 cm). Wvz: Ochsenkopf (Caput bovis). Süddeutschland, Mitte bis zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts (ca. 1430-1480).
Mittelalter
Manuskripte und Urkunden – Zur PALÄOGRAPHIE: Die Handschrift zeigt eine gotische Schleifenbastarda mittlerer Formalität mit einstöckigem a, unter die Grundlinie reichenden Schäften bei f und langem s, mäßig ausgeprägten Oberlängenschleifen und weichen Brechungen - typisch für den süddeutsch-österreichischen Raum um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Text ist zweispaltig angelegt, durchgehend in brauner Tinte von einer geübten Hand geschrieben und systematisch mit roten Lombarden, Strichelungen und Gliederungszeichen rubriziert. Das reichhaltige lateinische Abbreviaturensystem mit Nasalstrichen, Nomina sacra und den gängigen Suspensions- und Kontraktionskürzeln ist routiniert und fehlerfrei angewandt. Schriftbild, Seitengestaltung und Papier als Beschreibstoff weisen auf eine theologische Gebrauchshandschrift klösterlicher Provenienz. Zum INHALT: Die Blätter stammen aus einer Expositio Symboli Apostolorum - einem theologischen Kommentar zu den zwölf Glaubensartikeln des Apostolischen Glaubensbekenntnisses (Credo). Sie ist eine im Spätmittelalter weit verbreitete theologische Textgattung, in der die zwölf Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses einzeln ausgelegt werden - gestützt auf die seit dem 6. Jahrhundert belegte Legende, jeder der zwölf Apostel habe einen Artikel beigesteuert. Die Gattung diente primär der Predigtpraxis und Katechese und wurde in zahlreichen Varianten verfasst, darunter prominente Fassungen von Thomas von Aquin, Hugo Ripelin von Straßburg und Johannes Marienwerder. Die vorliegende Handschrift folgt diesem Schema, indem sie jedem Apostel seinen Artikel zuweist und diesen mit scholastischer Methode in Unterpunkte gliedert, Kirchenväter wie Augustinus zitiert und dogmatische Fragen wie Himmelfahrt, Inkarnation und Gnadenlehre systematisch erörtert. Die scholastische Methodik und die Artikelgliederung mit Apostelzuordnung ist typisch für den Ordenskontext (Dominikaner oder Franziskaner) in Süddeutschland, Österreich und dem Alpenraum. - Blätterfragmente punktuell zusammenhängend. Teils mit Wurmspruren und kleineren Defekten. - Insgesamt eindrucksvoller Quellenbeleg dieses bekannten katechistischen Traktattypus.
Manuscripts – Fragments of a late medieval manuscript. 18 leaves. (Half-page fragments). With numerous decorative Lombardic letters in red. 22-24 lines. Two columns. Latin manuscript on paper. Gothic Bastarda (Hybrida). Watermark: Ox-Head (Caput bovis). Southern Germany, mid- to late 15th century (ca. 1430-1480). - ON PALEOGRAPHY: The manuscript displays a Gothic looping bastarda of moderate formality, featuring a single-story 'a', stems on the 'f' that extend below the baseline, a long 's', moderately pronounced ascender loops, and soft breaks-typical of the South German-Austrian region around the mid-15th century. The text is laid out in two columns, written throughout in brown ink by a skilled hand, and systematically rubricated with red Lombardic letters, strokes, and structural marks. The extensive Latin abbreviation system, including nasal strokes, nomina sacra, and the common suspension and contraction abbreviations, is applied with skill and without error. The script, page layout, and paper as writing material indicate a theological manuscript of monastic origin. CONTENTS: These pages are taken from an Expositio Symboli Apostolorum-a theological commentary on the twelve articles of the Apostles' Creed. It is a theological genre that was widespread in the late Middle Ages, in which the twelve articles of the Apostles' Creed are interpreted individually-based on the legend, attested since the 6th century, that each of the twelve apostles contributed one article. The genre served primarily for preaching and catechesis and was composed in numerous variants, including prominent versions by Thomas Aquinas, Hugo Ripelin of Strasbourg, and Johannes Marienwerder. The present manuscript follows this pattern by assigning each apostle his own article and subdividing it into subpoints using scholastic methodology, citing Church Fathers such as Augustine, and systematically discussing dogmatic questions such as the Ascension, the Incarnation, and the doctrine of grace. The scholastic methodology and the article structure with apostolic assignment are typical of the monastic context (Dominicans or Franciscans) in southern Germany, Austria, and the Alpine region. - Fragments of leaves are occasionally connected. Some show wormholes and minor defects. - Overall, an impressive source document of this well-known type of catechetical treatise.
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