Auktion 159

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Samstag, 25. April 2026, 10:00 Uhr

Los 1526 Umkreis Jan van Balen und Jan II Brueghel. Waldlandschaft mit …

Waldlandschaft mit Puttenreigen. 17. Jahrhundert. Öl auf Kupfer. 36 x 28,5 cm. Gerahmt in schwarzer Leiste. - Gefirnist und leicht gegilbt, oben mit einem ca. 1 cm großen Riss im Kupfer mit Farbabplatzung, an den Rändern mit dezentem Abrieb, verso oxidiert. Insgesamt sehr gut, in frischem Kolorit gehaltene, feinmalerische Komposition.

Genre

Gemälde, Zeichnungen u. Grafiken 16. bis 19. Jhd. – Vgl. Jan II Brueghel, „Tanzende Putten im Wald“, Auktionshaus im Kinsky, 129. Auktion, Los 0019, 22. Oktober 2019, mit Kurzzertifikat von Dr. Klaus Ertz, Lingen vom 23. Mai 2019. - Die Komposition vereint eine üppige, tief gestaffelte Waldlandschaft mit einem zentralen Reigen tanzender Putten. Der dichte Blattvorhang, die vielschichtige Raumtiefe und die feinen botanischen Details – von präzise charakterisierten Baumarten bis zu kleinteiligen Bodenpflanzen – rufen unmittelbar die „Weltlandschaft“-Tradition Pieter Brueghels d. Ä. auf. Die lasierende Malweise auf Kupfer zeigt die für Antwerpener Maler typische glatte, glänzende Oberfläche, die ein juwelenhaftes Farbspiel erlaubt. Das Kolorit entfaltet sich graduell von warmen Brauntönen des Vordergrunds über leuchtende Grüntöne bis zu einem lichten Fernblau, wodurch die landschaftliche Tiefe atmosphärisch gesteigert wird. Im Zentrum bildet der Reigen der Putten das ikonographische und emotionale Scharnier der Szene: rundlich-weich modellierte Kinderkörper in barocker Tanzbewegung verkörpern Unschuld und paradiesische Freude. Die figürliche Anmut folgt klar Hendrick van Balens Stil, dessen Putten häufig in mythologischallegorischen Zusammenhängen auftreten. Ihre dynamische Gruppierung erzeugt einen rhythmischen Kontrast zur kontemplativen Ruhe der umgebenden Natur und reflektiert zugleich das humanistische Ideal des otium – die Betrachtung des Schönen als geistige Erholung. Stilistisch zeigt das Werk die charakteristische Verbindung von van Balens grazilem Figurenstil und Brueghels detaillierter Naturauffassung, wie sie für die Antwerpener Kollaborationen der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bezeichnend ist. Die feinen, teils pastosen Pinselsetzungen beleben die Tier- und Pflanzenformen, während die samtige Lasur einen typischen „Samt-Brueghel“-Effekt erzeugt. Technisch belegt das kompakte Kupferformat die hohe Präzision und Lichtbrillanz dieser Antwerpener Sondertechnik, die durch eine glatte Oberfläche und farbliche Tiefe besonders geeignet war, mythologische und paradiesische Themen darzustellen. Der stilistische und ikonographische Befund stützt die Einordnung in den Werkstattumkreis van Balens in Zusammenarbeit mit einem Landschaftsmaler aus dem Umkreis Brueghels. Parallelen zu gesicherten Gemeinschaftswerken wie „Tanzende Putten im Wald“ (Kinsky 2019; Ertz, 2019) bestätigen die charakteristische Synthese aus barocker Figurenmalerei und feingliedriger Brueghel-Landschaft. Leichte Alterungsspuren im Kolorit, wie feine Craquelüren, beeinträchtigen die ursprüngliche Farbfrische kaum und unterstreichen den hochwertigen Erhaltungszustand des Werkes.

Paintings, drawings and prints 16th to 19th century – Cf. Jan II Brueghel, Dancing Putti in the Forest, Auction House im Kinsky, 129th Auction, Lot 0019, 22 October 2019, with short certificate by Dr Klaus Ertz, Lingen, dated 23 May 2019. The composition combines a lush, deeply layered forest landscape with a central round dance of putti. The dense curtain of foliage, the multi-layered spatial depth, and the delicate botanical details—from precisely characterized tree species to minutely rendered plants on the forest floor—directly recall Pieter Brueghel the Elder’s “world landscape” tradition. The glazed technique on copper reveals the smooth, lustrous surface typical of Antwerp painters, allowing for a jewel-like play of color. The palette unfolds gradually from warm browns in the foreground through luminous greens to a pale blue in the distance, thereby enhancing the atmospheric depth of the landscape. At the center, the round dance of the putti forms the iconographic and emotional pivot of the scene: softly rounded childlike bodies in baroque dance movements embody innocence and paradisiacal joy. The grace of the figures clearly follows the style of Hendrick van Balen, whose putti frequently appear in mythological and allegorical contexts. Their dynamic grouping creates a rhythmic contrast to the contemplative calm of the surrounding nature and at the same time reflects the humanist ideal of otium—the contemplation of beauty as spiritual recreation. In stylistic terms, the work displays the characteristic combination of van Balen’s graceful figure style and Brueghel’s detailed conception of nature, as is typical of Antwerp collaborations in the first half of the 17th century. The fine, partly impasto brushwork animates the animal and plant forms, while the velvety glaze produces the typical “Velvet Brueghel” effect. Technically, the compact copper format demonstrates the high precision and luminosity of this Antwerp specialty, whose smooth surface and chromatic depth proved particularly suitable for the depiction of mythological and paradisiacal subjects. The stylistic and iconographic evidence supports an attribution to the workshop circle of van Balen in collaboration with a landscape painter from the circle of Brueghel. Parallels with documented collaborative works such as Dancing Putti in the Forest (Kinsky 2019; Ertz 2019) confirm the characteristic synthesis of baroque figure painting and the finely articulated Brueghel landscape tradition. Minor signs of aging in the paint surface, such as fine craquelure, scarcely affect the original freshness of the colors and underline the high state of preservation of the work. Follow-ups.

Limitpreis: 4000 €
Schätzpreis: 5000 €

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